EU & internationale Marktstrategien

Aktivitäten des österreichischen Nationalen Kontaktpunktes (öNKP)

Der öNKP veranstaltet drei bis vier Diskussionsforen und Expertengespräche pro Jahr, bringt sich aber auch aktiv in Stakeholder-Veranstaltungen zum Thema verantwortungsvolle Unternehmensführung ein.

Zudem stellt der öNKP Informationsmaterial zu den OECD-Leitsätzen bereit und steht für Anfragen zur Anwendung und Relevanz der OECD-Leitsätze zur Verfügung und bezieht Stellung zu damit einhergehenden Fragen.

Aktivitäten 2019

Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen empfehlen Firmen gerade vor dem Hintergrund stärkerer internationaler Verflechtungen eine Sorgfaltsprüfung, um Nachhaltigkeitsbelastungen zu erkennen und darauf reagieren zu können. 2018 hat die OECD einen Leitfaden veröffentlicht, der Unternehmen bei der Implementierung dieser Sorgfaltsprüfung unterstützen soll.

Aktivitäten 2018

Rückblick Smart Stakeholder Engagement – Unternehmerische Verantwortung im digitalen Zeitalter am 8. April 2019 im BMDW

Digitalisierung und verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln standen am 8. April 2019 im Fokus der abendlichen Informations- und Netzwerkveranstaltung des österreichischen Nationalen Kontaktpunkts für die OECD-Leitsätze im Gobelinsaal des BMDW. Sektionschefin Cynthia Eva Zimmermann (EU und internationale Marktstrategien, BMDW) betonte in ihrer Begrüßung die Bedeutung unternehmerischer Verantwortung als einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor für die österreichische Wirtschaft in einem globalen Markt. Um Unternehmen bei der Wahrnehmung ihrer unternehmerischen Verantwortung zu unterstützen, sieht die neue österreichische Außenhandelsstrategie vor, den österreichischen nationalen Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze als One-Stop-Shop zu stärken, sagte Zimmermann.

Christine Kaufmann, Rechtsprofessorin der Universität Zürich und seit Jänner 2019 Vorsitzende der OECD-Arbeitsgruppe für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln, umriß in ihrer Keynote, wie die OECD-Leitsätze zur Bewältigung der mit der Digitalisierung verbundenen Herausforderungen beitragen können. Wie neue Technologien in der Einbindung von Anspruchsgruppen eingesetzt werden können, illustrierte der Stakeholder Engagement Experte John Aston während seiner Keynote anhand des Aufbaus einer Internetseite. Unter der Leitung von Manfred Schekulin (BMDW) diskutierten die Vortragenden Möglichkeiten und Grenzen digitaler Technologien im Kontext verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns.

Im anschließenden Deep Dive zeigten Adele Tharani (Community Relations and Development OMV), Wolfgang Kraus (Senior Associate IPIECA) und John Aston den rund 60 Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Organisationen anhand von Good Practice Beispielen die Herausforderungen beim Aufbau von erfolgreichen Stakeholderbeziehungen in Schwellen- und Entwicklungsländern auf. Unbekannte Strukturen, die mangelnde Formalisierung der Beziehungen zwischen lokalen Stakeholdergruppen, Privatwirtschaft und Behörden sowie mangelnde Dialogkulturen erfordern genaue Marktkenntnis, Fingerspitzengefühl und lokale Präsenz, waren sich die Vortragenden einig.

 Wolfgang Kraus, Cynthia Zimmermann, John Aston, Adele Tharani, Christine Kaufmann, Mario Micelli

Bild I: v.r.n.l.: Wolfgang Kraus (Senior Associate IPIECA), Cynthia Zimmermann (Leiterin der Sektion EU und internationale Marktstrategien im BMDW), John Aston (Astoneco Management), Adele Tharani (Community Relations and Development OMV), Christine Kaufmann (Vorsitzende der OECD-Arbeitsgruppe für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln), Mario Micelli (öNKP/BMDW)

© ICEP

Rückblick Workshop „OECD Due Diligence Guidance – Wie Sie den Leitfaden zur Sorgfaltsprüfung umsetzen können" am 21. Februar 2019

Am 21. Februar 2019 lud die Außenwirtschaft Austria der Wirtschaftskammer Österreich gemeinsam mit dem österreichischen Nationalen Kontaktpunkt (öNKP) Unternehmen zu einem Workshop mit Barbara Bijelic, OECD-Secretariat, Rechtsexpertin, Responsible Business Conduct, die bei der Erstellung des Leitfadens mitgewirkt hat, um den OECD-Leitfaden zur Sorgfaltsprüfung vorzustellen, und mit Heidrun Schmid, OeKB, über die Relevanz der Sorgfaltsprüfung bei der Gewährung von öffentlich geförderten Exportkrediten zu diskutieren.

Die OECD hat in den vergangenen Jahren Leitfäden für die Durchführung von Sorgfaltsprüfungen für spezifische Sektoren – Erdöl, Textilien, Bergbau, Landwirtschaft und den Finanzsektor – entwickelt. Der neu herausgegebene allgemeine Leitfaden soll Unternehmen aller Branchen dabei unterstützen, Risiken in Bezug auf Umwelt, Mitarbeiter, Konsumenten, Menschenrechte und Korruption zu erheben, erklärte Barbara Bijelic.

Heidrun Schmid ging auf die Due Diligence-Prüfung ein, die die OeKB bei der Gewährung von öffentlich geförderten Exportkrediten durchführt. Alle Geschäfte, für die ein Antrag auf die Übernahme einer Exportgarantie gestellt wird, werden von der OeKB im Auftrag des BMF auf ihre Umwelt- und sozialen Auswirkungen geprüft. Die Prüfung größerer Investitionsgüterprojekte folgt internationalen Standards (OECD Common Approaches), die sicherstellen, dass alle Anbieter aus den OECD-Ländern gleiche Wettbewerbsbedingungen vorfinden. Bei Projekten, die nicht unter die Common Approaches fallen, entscheidet die OeKB nach Projektgröße, Standort und Sektor, ob eine weitergehende Prüfung notwendig ist.

Anschließend diskutierten die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expertengespräches mit Barbara Bijelic anhand unterschiedlicher Due Diligence-Aspekte, wie etwa der Priorisierung von Risiken oder der Einbeziehung von Stakeholdern über erste Schritte der Durchführung einer Sorgfaltsprüfung in der Praxis.
Barbara Bijelic/OECD, Michael Zimmerman/WKÖ, Heidrun Schmid/OeKB, Irene Janisch/BMDW, Mario Micelli/BMDW

 

 

 

 

Bild I: v.r.n.l.: Barbara Bijelic/OECD, Michael Zimmermann/WKÖ, Heidrun Schmid/OeKB, Irene Janisch/BMDW, Mario Micelli/BMDW © ICEP

 

Rückblick Expertengespräch „Die OECD Empfehlungen zur Sorgfaltsprüfung – Erwartungen an die Unternehmen in der Praxis" am 21. Februar 2019

Am Nachmittag des 21. Februar 2019 lud der österreichische Nationale Kontaktpunkt Mitglieder des Lenkungsausschusses und Vertreterinnen und Vertreter von Bundesministerien zu einem Gespräch mit Barbara Bijelic, OECD-Secretariat, Rechtsexpertin, Responsible Business Conduct, die bei der Erstellung des OECD-Leitfadens zur Sorgfaltsprüfung mitgewirkt hat.

Barbara Bijelic stellte den Leitfaden vor und sprach mit den 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über Erfahrungen und Erwartungen – etwa die Rolle der Regierungen bei der Schaffung eines günstigen Umfelds für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln. Essenziell sei es, durch die Zusammenarbeit mit Stakeholdern der Wirtschaft, Arbeitnehmerorganisationen, der Zivilgesellschaft, der Öffentlichkeit und der internen Regierungsstrukturen sowie anderer Regierungen Kohärenz zu schaffen, betonte Barbara Bijelic. 

Rückblick: Diskussionsveranstaltung „Digitalisierung und globale Verantwortung" am 11. Juni 2018

Blockchain, das Internet der Dinge oder Big Data gelten als „Game Changer" für mehr Transparenz und Flexibilität in der Lieferkette. Zur Identifikation von Risiken in vorgelagerten Lieferketten könnten digitale Technologien einen erheblichen Beitrag leisten, so die Vortragenden.

Transparenz wird zu Schlüsselelement in der Lieferkette

„Produkte nicht nur zu lokalisieren, sondern über die gesamte Lieferkette verfolgen zu können, entwickelt sich zu einem Schlüsselelement im Supply Chain Management", betonte Christian Friesl, Bereichsleiter Bildung und Gesellschaft der Industriellenvereinigung. Diese Transparenz in der Lieferkette herzustellen, wird durch digitale Technologien erst richtig ermöglicht.

Aktuelle Entwicklungen

Transparenz, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und unternehmerische Verantwortung werden in die in Erarbeitung befindlichen Außenwirtschaftsstrategie 2018 Eingang finden, führte Sektionschefin Bernadette Marianne Gierlinger, Leiterin des Centers für Außenwirtschaftspolitik und Europäische Integration im Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, aus. Zudem wird besonderes Augenmerk auf die durch die Digitalisierung entstehenden Chancen gelegt werden. Sektionschefin Gierlinger wies auch auf den Ende Mai 2018 veröffentlichten OECD-Leitfaden zur Sorgfaltsprüfung in der Lieferkette hin, der Unternehmen aller Branchen bei Sorgfaltsprüfungen entlang der Lieferkette wertvolle Unterstützung bietet.

Erhöhte Sichtbarkeit über Lieferanten durch digitale Technologien

„Nachhaltigkeitsprobleme entstehen meist nicht bei den direkten Lieferanten, sondern in der vorgelagerten Lieferkette", eröffnete Martin Schleper, Sustainable Operations Management an der University of Sussex, seinen Impuls. Bei der Sorgfaltsprüfung, der Identifikation von Risiken, müssen sich Unternehmen meist auf die Informationen der direkten Lieferanten verlassen. Insbesondere Klein- und Mittelunternehmen ist es durch zu geringe Einkaufsvolumina oft nicht möglich, Informationen von vorgelagerten Lieferanten zu erhalten. Digitale Technologien wie Blockchain, aber auch Social Media und Big Data können die Sichtbarkeit von Lieferanten erhöhen und dazu beitragen, Risiken in der Lieferkette besser zu identifizieren", so Schleper.

Digitale Technologien im Test

Zahlreiche Unternehmen testen zur Zeit, ob sich digitale Technologien einsetzen lassen, um nachzuweisen, dass deren Lieferketten etwa frei von Zwangsarbeit und Menschenhandel oder Korruption sind, erklärte Tara Norton, Managing Director beim internationalen Beratungsunternehmen BSR. Dazu zählen ein Joint Venture des dänischen Logistik- und Transportunternehmen Maersk und IBM sowie das Pilotprojekt „von der Bohne zur Tasse" der Kaffeehauskette Starbucks mit ausgewählten Farmern in Costa Rica, Kolumbien und Ruanda oder ein Projekt des Konsumunternehmens Unilever und dem britischen Supermarkt Sainsbury mit Teebauern in Malawi.

Potenziale der Digitalisierung

Die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen sei ohne Digitalisierung gar nicht möglich, meinte Manfred Schekulin, Leiter der Abteilung Export und Investitionspolitik und Vorsitzender des OECD-Investitionskomitees, in der anschließenden Diskussionsrunde mit Tara Norton, BSR, Martin Schleper von der University of Sussex und Michaela Kegel, Compliance und Sustainability Services bei der KPMG. Digitalisierung könne mit dazu beitragen, Standards wie die OECD-Leitsätze strukturiert abzuarbeiten, die Vielzahl an Verhaltenskodizes zu harmonisieren oder etwa politische oder arbeitsrechtliche Risiken, unter Einsatz von Algorithmen kurzfristig vorherzusagen, brachte Michaela Kegel ein. Aber, so waren sich die Diskutanten einig, das Treffen von Entscheidungen und das Vertrauen auf den Wahrheitsgehalt von Informationen werde sich durch digitale Anwendungen nicht ersetzen lassen.

 

Kontakt:

Mario Micelli 
Österreichischer Nationaler Kontaktpunkt (öNKP) für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort                      Stubenring 1, 1010 Wien
E-Mail: NCP-Austria@bmdw.gv.at
Telefon: +43(0)1 711 00/805240 oder 805050
Fax: +43 1 71100 - 8045050

Kontakt

Österreichischer Nationaler Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen: NCP-Austria@bmdw.gv.at

Letzte Änderung am: 03.05.2019 14:45