Nationale Marktstrategien

Versicherungsvermittlung

Die bisherige EU-Richtlinie 2002/92/EG über Versicherungsvermittlung wurde durch die neue Richtlinie über den Versicherungsvertrieb 2016/97 (IDD, Insurance Distribution Directive) ersetzt. Diese dient insbesondere der weiteren Verbesserung des Kundenschutzes und der Strukturierung des Vermittlermarktes als Teilmaßnahme, um das im Zuge der Finanzkrise gesunkene Kundenvertrauen in den Finanzsektor wiederherzustellen.

Die Novelle der Gewerbeordnung, BGBl. I Nr. 112/2018, sowie neue Standes- und Ausübungsregeln dienen der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/97 über Versicherungsvertrieb hinsichtlich der gewerblichen Versicherungsvermittlung in das Österreichische Recht.

Dies bringt mehrere Neuerungen für die Versicherungsvermittler mit sich:

  • 15 Stunden jährliche Fortbildung
  • Statusklarheit: entweder Tätigkeit als Versicherungsmakler oder als Versicherungsagent zur klaren Information des Kunden über den Status seines Vermittlers
  • Unbegrenzte Nachdeckung der Berufshaftpflichtversicherung bei Versicherungsmakler und Versicherungsagent: d.h. der Haftpflichtversicherer des Vermittlers haftet für Schäden, die der Vermittler während der Laufzeit seiner Berufshaftpflichtversicherung verursacht hat - selbst, wenn der verursachte Schaden durch einen Wechsel des Haftpflichtversicherers erst später auffallen sollten
  • Regelungen im Zusammenhang mit Vergütungen: etwa sind bei der Vermittlung von Versicherungsanlageprodukten die Kosten der Vermittlung anzugeben, auf Nachfrage des Kunden auch detailliert aufgeschlüsselt
  • Regelungen für Versicherungsunternehmen und für deren Vermittlungstätigkeiten (§ 6 Abs. 4 VAG)

Fragen zur Versicherungsvertriebsrichtlinie werden auch von EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) beantwortet.


GISA Abfrage: Versicherungsvermittlerregister

Eine Abfrage der Informationen der zur Tätigkeit der Versicherungsvermittlung befugten Personen ist über das Gewerbeinformationssystem Austria (GISA) möglich:

GISA Abfrage Deutsch 

GISA search english


Gewerbeberechtigung Versicherungsvermittlung

In Österreich ist die Ausübung der Versicherungsvermittlung nur auf Grund einer Gewerbeberechtigung zur Versicherungsvermittlung möglich. 
Die Tätigkeit darf nur entweder in Form Versicherungsmakler oder in der Form Versicherungsagent ausgeübt werden.

Gemäß § 137 Abs. 2 GewO 1994 gilt jeder, der die Tätigkeit der Versicherungsvermittlung ausübt, als "Versicherungsvermittler".

In Frage kommen Berechtigungen gemäß

  • § 94 Z 75 GewO 1994: Gewerbliche Vermögensberatung - Versicherungsvermittlung im Umfang der Lebens- und Unfallversicherung
  • § 94 Z 76 GewO 1994: Versicherungsvermittlung (Versicherungsagent, Versicherungsmakler und Beratung in Versicherungsangelegenheiten) oder 
  • § 94 Z 76 iVm § 32 Abs. 6 GewO 1994: Nebentätigkeit der Versicherungsvermittlung 


Jeden Versicherungsvermittler treffen folgende Pflichten:

  • Eintragung im Versicherungsvermittlerregister
  • Haftpflichtabsicherung
  • Befähigung, guter Leumund, Konkursfreiheit (auch bei Mitarbeitern)
  • Jährliche Fortbildung
  • Informationspflichten
  • Schutz von Kundengeldern

Nur gänzlich untergeordnete Versicherungsvermittlungstätigkeiten, wie z.B. eine Reisegepäckversicherung bei Buchung einer zweiwöchigen Reise mit weniger als € 200,- Prämie, sind von diesen Pflichten ausgenommen.


Gewerbeanmeldung

Zuständig für die Entgegennahme einer Gewerbeanmeldung ist die Gewerbebehörde (siehe Seite „Gewerbeanmeldung"). Auch Kreditinstitute können eine solche Berechtigung begründen, für diese ist aber die FMA die zuständige Behörde.


Zusätzliche Informationen

Hinsichtlich Fragen der Versicherungsvermittlerregister in den anderen Mitgliedstaaten vgl. EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority), Register of Insurance Intermediaries. Dort finden sich Links zu allen Versicherungsvermittlerregistern der Mitgliedstaaten.

Kontakt

Abteilung Gewerberecht: post.IV1_19@bmdw.gv.at

Letzte Änderung am: 11.03.2019 09:58