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Schwerpunkt 2020 - Digitalisierung und unternehmerische Verantwortung im Sinne der OECD-Leitsätze

Bericht des öNKP Multi-Stakeholder Forums "Der digitale Wandel und unternehmerische Verantwortung: Die Rolle der OECD-Leitsätze", 22. Oktober 2020

Am 22. Oktober 2020 lud der Österreichische Nationale Kontaktpunkt (öNKP) der OECD-Leitsätze zum ersten Multi-Stakeholder Forum, das ganz im Zeichen des digitalen Wandels und unternehmerischer Verantwortung stand. Nach einleitenden Worten über die Bedeutung der OECD-Leitsätze von Bundesministerin Dr. Margarete Schramböck und BMDW-Sektionschefin Mag. Cynthia Zimmermann gab Prof. Christine Kaufmann, Vorsitzende der OECD Working Party on Responsible Business Conduct, einen Einblick in die aktuellen Aktivitäten der OECD in Bezug auf den digitalen Wandel.

Kaufmann beschrieb die OECD-Leitsätze als wichtige Standards im Zusammenspiel mit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie der Deklaration der Internationalen Arbeitsorganisation, die allesamt unterschiedliche Perspektiven aufs Thema Digitalisierung bieten. Schnittstellen zur Digitalisierung finden sich Kaufmann zufolge in allen Teilbereichen der OECD-Leitsätze, die technologieneutral und damit zeitlos sind. Nach den Inputs von Prof. Kaufmann diskutierten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Stakeholder-Gruppen über Chancen und Risiken des digitalen Wandels für die unternehmerische Verantwortung:

  • Botschafterin Elisabeth Tichy-Fisslberger (Präsidentin des UN-Menschenrechtsrats),
  • Elisabeth Tuerk (Director of the Economic Cooperation and Trade Division der United Nations Economic Commission for Europe),
  • Nastassja Cernko (Nachhaltigkeitsmanagerin der oeKB Gruppe), Sarah Bruckner (Referentin für Europarecht in der Abteilung EU & Internationales der AK Wien),
  • Johannes Kehrer (Referent in der Rechtsabteilung der WKÖ),
  • Stefan Grasgruber-Kerl (Bereichskoordinator Kampagnen bei Südwind),
  • Mario Micelli (Leiter des öNKP).

Technologieentwickler sollten Menschenrechte in allen Stufen neuer Technologien – vom Design über die Herstellung bis hin zur Verwendung – mitdenken. Ein level playing field als europäische Initiative könnte große Wirkung zeigen. Transparenz von Lieferketten stelle eine der größten Herausforderungen für unternehmerische Verantwortung dar. Digitalisierung biete hier viele Vorteile, ihr Potential zu realisieren, sei aber nicht einfach. Digitalisierung könne für Stabilität von Unternehmen auch in Krisenzeiten sorgen, aber auch zu Herausforderungen im Bereich des Datenschutzes führen. Beim innerbetrieblichen Einsatz von digitalen Tools wurde die Wichtigkeit der betrieblichen Mitsprache von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern unterstrichen.

Die Förderung digitaler Kompetenzen sowie die Wichtigkeit von Austausch bzw. Diskussion unterschiedlicher Perspektiven zur gemeinsamen Bewältigung von Herausforderungen, die durch Digitalisierung entstehen können, müssen im Vordergrund. Größten Herausforderungen bestehen im Rohstoff- und Energieverbrauch der Digitalisierung. Eine Erhöhung der Transparenz sowie für Gütesiegel und verbindlichere Regelungen für den Schutz von Menschenrechten und Umwelt seien für die Zivilgesellschaft besonders wichtig.

Die Arbeit der Nationalen Kontaktpunkte können im Rahmen ihrer Aufgabe, nämlich den Bekanntheitsgrad der Leitsätze zu steigern sowie eine Plattform für Austausch und außergerichtliche Streitbeilegung zu bieten. Durch anschauliche Beispiele aus der Praxis lieferten alle Diskutantinnen und Diskutanten wertvolle Inputs aus ihrem jeweiligen Fachbereich. Digitalisierung als Chance zu sehen, den Austausch zwischen den einzelnen Stakeholdern zu fördern sowie die in den OECD-Leitsätzen enthaltenen Grundprinzipien für unternehmerische Verantwortung einzuhalten, waren dabei die wichtigsten Grundpfeiler, die alle Akteure in ihren Ansichten einten.

Die Digitalisierung führt zu tiefgreifenden Veränderungen nicht nur in der Wirtschafts- und Arbeitswelt, sondern erfasst die gesamte Gesellschaft. Technische Entwicklungen bergen Chancen und Potenziale, aber auch Herausforderungen und Risiken. In Zeiten des Umbruchs ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Veränderungen essentiell. Österreichische Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben dafür Konzepte für unternehmerische Verantwortung und Corporate Social Responsibility (CSR) entwickelt. Diese Konzepte werden im Lichte des digitalen Wandels unter die Lupe genommen.

Der österreichische Nationale Kontaktpunkt (öNKP) wird im Rahmen des Projekts "Der digitale Wandel und unternehmerische Verantwortung: Die Rolle der OECD-Leitsätze" der Frage nachgehen, welche gegenseitigen Auswirkungen die Digitalisierung und unternehmerische Verantwortung im Sinne der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen – einer der wichtigsten Standards für Unternehmen im Auslandsgeschäft – bestehen. Dazu sollen aktuelle Diskussionen und Konzepten rund um unternehmerische Verantwortung und Digitalisierung beleuchtet werden. Des Weiteren soll herausgearbeitet werden, inwiefern die OECD-Leitsätze im digitalen Wandel als Leitplanken dienen können.

Der Austausch mit und zwischen verschiedenen Stakeholder-Gruppen bildet einen wichtigen Aspekt. Es soll auf die speziellen Bedürfnisse, Ideen und Anforderungen der jeweiligen Stakeholder-Gruppen eingegangen und in ein Gesamtbild eingebettet werden. In diesem Kontext sollen Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Arbeitnehmerseite und Zivilgesellschaft sollen in drei Roundtables Herausforderungen, Chancen und bestehende Lösungsansätze aufzeigen und diese diskutieren. Dazu planen wir jeweils einen Roundtable für Expertinnen und Experten von Wirtschaft, Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerseite und Zivilgesellschaft (Termine werden aufgrund der Corona-Krise noch bekannt gegeben) sowie ein Multi-Stakeholder Forum am 22. Oktober 2020.