Unternehmen

Mittelstandsbericht

Dem gesetzlichen Auftrag des Bundesgesetzes über Maßnahmen zur Leistungssteigerung kleiner und mittlerer Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft entsprechend ist dem Nationalrat alle zwei Jahre einen "Bericht über die Situation der kleinen und mittleren Unternehmen der österreichischen Wirtschaft" vorzulegen.

Der letzte Mittelstandsbericht 2016 über die Entwicklung und die Perspektiven der österreichischen KMU sowie den Stand der Umsetzung des "Small Business Act" in Österreich wurde am 30. November 2016 vorgelegt:

Die insgesamt rund 330.000 KMU der marktorientierten Wirtschaft stellen 99,7 Prozent der österreichischen Unternehmen. Sie beschäftigten im Erhebungsjahr 2014 mehr als 1,9 Millionen Menschen (68 Prozent der Arbeitsplätze) und erwirtschafteten 64 Prozent der Umsätze (456 Mrd. Euro) sowie 61 Prozent der Bruttowertschöpfung (114 Mrd. Euro). Nach Rückgängen im Kernkrisenjahr 2009 entwickeln sich die heimischen KMU wieder positiv. Im Beobachtungszeitraum 2008 bis 2014 stieg die Zahl der KMU trotz weltweiter Wirtschaftskrise um 9,1 Prozent, sie konnten mehr als 130.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und ihre Bruttowertschöpfung um 14,9 Prozent steigern. Darüber hinaus bilden Klein- und Mittelbetriebe 62.000 Lehrlinge aus und liegen mit neun von zehn Unternehmen, die ihren Mitarbeiter/-innen Weiterbildungsangebote anbieten, deutlich über dem EU-Durchschnitt von 66 Prozent. Sie bilden damit eine tragende Säule beim Erhalt der hohen Qualität der Arbeitskräfte in Österreich und sichern unseren Fachkräfte-Nachwuchs.

Globalisierung, Digitalisierung sowie der strukturelle Wandel hin zur Wissens-gesellschaft führen dazu, dass sich der Mittelstand immer weiter ausdifferenziert, neue Geschäftsmodelle und vielfältige neue Formen unternehmerischer Tätigkeit entstehen. So ist ein Trend zur Selbstständigkeit auf Teilzeitbasis und im Nebenerwerb zu beobachten. Außerdem gewinnt das hybride Unternehmertum, also das gleichzeitige Ausüben von selbstständiger und unselbstständiger Tätigkeit, an Bedeutung - vor allem im Bereich der wachsenden Gruppe der Ein-Personen-Unternehmen. Rund 16 Prozent der selbstständig Beschäftigten (99.100 Personen) zählen bereits zur Gruppe der hybriden Unternehmer.
Der Mittelstandsbericht verdeutlicht darüber hinaus die wichtige Rolle der EPU. Ihre Zahl stieg zwischen 2008 und 2014 und mit 13 Prozent stärker als die Gesamtheit der Unternehmen (9 Prozent). Mit nunmehr 119.500 EPU ist mehr als jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) ein EPU. Erfreulicher Weise steigt auch der Frauenanteil unter den Unternehmer/-innen immer weiter an und ist mit 36 Prozent wieder höher als im EU-Durchschnitt (32 Prozent). Eine zunehmende Rolle spielen schnellwachsende Unternehmen (rund 3.400 - davon 3.000 in der marktorientierten Wirtschaft), die bereits einen Anteil von 7,4 Prozent der Arbeitgeberbetriebe ab 10 Beschäftigten bilden.

Die jüngste Leistungsüberprüfung der EU-Kommission gemäß "Small Business Act" stellt dem heimischen KMU-Sektor erneut ein gutes Zeugnis aus. Demnach weist Österreich im EU-Vergleich ein überaus wettbewerbsfähiges Profil auf. Österreichs KMU-Sektor war einer der anpassungsfähigsten während der Krise. Seit der Einführung des SBA 2008 hat Österreich seine Leistung in sechs Kategorien verbessert. Österreich übertraf den EU-Durchschnitt bei vier der neun SBA-Grundsätze, bei denen genügend statistische Daten vorhanden sind - "Binnenmarkt", "Weiterqualifizierung und Innovation", "Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie" sowie "Internationalisierung". In den weiteren Bereichen platzierte sich Österreich im EU-Durchschnitt, nur beim Grundsatz „Finanzierung" geringfügig darunter.

Bei der „Unternehmerischen Initiative" liegt Österreich im EU-Durchschnitt. Es gibt zwar überdurchschnittlich viele Unternehmer/-innen, allerdings halten weniger Menschen eine unternehmerische Laufbahn für eine erstrebenswerte Karrierechance (46 vs. 57 Prozent im EU-Durchschnitt). Verbesserungspotenzial wird insb. bei Entrepreneurship Education in der Grundschule gesehen. Insgesamt verbessert sich die Performance Österreichs beim Grundsatz der unternehmerischen Initiative aber stetig – und dies dynamischer als im EU-Durchschnitt. Auch die Angst vor dem unternehmerischen Scheitern hat abgenommen. Mit der Gründerlandstrategie, deren 40 Maßnahmen schrittweise umgesetzt werden, und dem Start-up Paket vom Juli 2016 werden weitere Impulse zur Stärkung des Gründungsstandortes und zur Verbesserung des Unternehmergeists in unserem Land gesetzt.

Nur eine durchschnittliche Position erreicht Österreich beim Grundsatz „Öffentliche Verwaltung", konnte seine Performance im Vergleich zum Vorjahr aber wieder verbessern, insb. aufgrund des neu eingeführten Indikators zur Kompetenz und Effektivität des Behördenpersonals, bei dem Österreich sehr gut abschneidet. Die Zeit für eine GmbH-Gründung liegt weiterhin über dem SBA-Ziel von drei Tagen, hat sich in den vergangenen Jahren aber von zehn auf acht Tage verringert. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Mehrheit der Unternehmen in Österreich als Einzelunternehmen tätig sind, die innerhalb von 15 Minuten gegründet werden können. Positiv ist die gute Verfügbarkeit von Online-Behördendiensten: Durch zentrale Maßnahmen wie dem Unternehmensserviceportal – USP als „One-Stop E-Government", dem zentralen Gewerberegister „GISA" (GewerbeInformationsSystemAustria) und weiteren elektronischen Behördendiensten im Bereich der Justiz wickeln überdurchschnittlich viele KMU ihre Behördengänge bereits vollständig Online ab.

Für den Grundsatz „Finanzierung" liegt das Gesamtergebnis Österreichs unter dem EU-Durchschnitt. Während der Zugang zu Bankkrediten tendenziell besser als im EU-Mittel einzustufen ist, schneidet Österreich insbesondere beim Zugang zu Beteiligungs- und Risikokapital sowie der Finanzierung über Business Angels unter dem EU-Durchschnitt ab. Um die Rahmenbedingungen für private Investor/-innen zu verbessern und dadurch privates (Risiko)-kapital verstärkt zu mobilisieren, wurden zuletzt unterschiedliche Maßnahmen auf den Weg gebracht: So wurde das Crowdfunding deutlich erleichtert - vor allem durch das Alternativfinanzierungsgesetz, das auch die EU-Kommission als wichtige Maßnahme sieht, die anderen Ländern als Beispiel zur Unterstützung von KMU dienen kann. Im Rahmen des Start-up-Programms der österreichischen Bundesregierung wurde eine Risikokapitalprämie für Investor/-innen beschlossen. Wichtige Impulse wird auch die neue KMU-Investitionszuwachsprämie setzen, die mit einem Volumen von 175 Millionen Euro für zwei Jahre einen Beitrag zur Überwindung der Investitionsschwäche in Österreich leisten soll.

Der vorliegende Bericht bietet auch eine gute Basis, sich kritisch mit zukünftigen Herausforderungen auseinanderzusetzen: Ein im längerfristigen Vergleich verlangsamtes Wirtschaftswachstum, steigende Arbeitslosenquoten sowie stagnierende Investitionen setzen fortwährende Anstrengungen voraus, um hier gegenzusteuern. Das Kapitel zum Thema Wettbewerbsfähigkeit zeigt, dass sich Österreich derzeit bei den zukünftig wichtigen „Fähigkeiten" einer Volkswirtschaft in den Bereichen Innovation und Digitalisierung im guten Mittelfeld platzieren kann. Hier werden allerdings Top-Platzierungen angestrebt, um als Volkswirtschaft zukunftsfähig zu bleiben. Die Ausweitung der IKT-Kompetenzen und „Digital Skills" sowie die Umsetzung weiterer Maßnahmen im Rahmen der „Digital Road Map" oder der „Open-Innovation-Strategie" sind von großer Bedeutung. Die umgesetzten Maßnahmen haben sich auch durch verbesserte Plätze in internationalen Standortrankings als erfolgreich erwiesen.

Mittelstandsbericht 2016

Datenanhang zum Mittelstandsbericht 2016

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Letzte Änderung am: 10.01.2018 10:16