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SBA-Datenblatt Österreich

Die Veröffentlichung des Small Business Act-Datenblatts 2018 erfolgte im Rahmen Europäischen KMU-Versammlung 2018, die vom 19. bis 21. November 2018 in Graz stattgefunden hat. Die aktuelle Leistungsüberprüfung der EU-Kommission (EK) stellt Österreichs KMU-Sektor ein sehr gutes Zeugnis aus.

Österreich weist im EU-Vergleich eines der wettbewerbsfähigsten SBA-Profile auf. In den Jahren 2013 bis 2017 stieg die Wertschöpfung durch KMU um insgesamt 13,2 Prozent. Auch die Beschäftigung durch KMU ist insgesamt um 4,8 Prozent gestiegen. Für die Jahre 2017 bis 2019 wird ein anhaltendes KMU-Wachstum erwartet; für die Wertschöpfung wird ein Anstieg von 9,3 Prozent prognostiziert. Die Zahl der Beschäftigten soll um 3,3 % zunehmen. Diese Entwicklung wird zu geschätzten 64.100 zusätzlichen Jobs in den Jahren 2017 bis 2019 führen.

Österreich übertraf den EU-Durchschnitt bei den SBA-Grundsätzen „Internationalisierung", „Weiterqualifizierung und Innovation", ist das drittbeste Land beim „Binnenmarkt" und führt das Ranking der EU-MS beim Grundsatz „Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie" an. In den weiteren sechs Bereichen platzierte sich Österreich im EU-Durchschnitt.

Die Positionierung Österreichs beim Grundsatz zur Förderung der „Unternehmerischen Initiative" liegt in etwa im EU-Durchschnitt. Es gibt zwar überdurchschnittlich viele Unternehmer/-innen, allerdings halten weniger Menschen eine unternehmerische Laufbahn für eine erstrebenswerte Karrierechance (46 vs. 59 % im EU-Durchschnitt). Dabei ist allerdings darauf hinzuweisen, dass dieses Phänomen auch darauf zurückgeführt werden kann, dass es in Österreich für gut ausgebildete Arbeitskräfte auch viele attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten in bestehenden Unternehmen gibt. Im Bereich Entrepreneurship Education schneidet Österreich gut ab, Verbesserungspotenzial wird bei Entrepreneurship Education in der Grundschule gesehen. Im Zeitverlauf wird deutlich, dass sich die Performance Österreichs beim Grundsatz „Unternehmerische Initiative" verbessert hat – und dies dynamischer als im EU-Durchschnitt. Mit der Gründerlandstrategie, dem Programm „AplusB Scale-up" der aws (Austria Wirtschaftsservice) und dem Gründungs-Fellowship für akademische Spin-offs werden Maßnahmen schrittweise umgesetzt, die weitere Impulse zur Stärkung des Gründungsstandortes und zur Verbesserung des Unternehmergeists in unserem Land setzen. Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang auch noch das Projekt „Unternehmerin macht Schule", in dessen Rahmen erfolgreiche Unternehmerinnen aus ganz Österreich als Botschafterinnen für das Unternehmertum in die Schulen geholt werden. Die Unternehmerinnen fungieren dabei als Role Models gerade für die unterrepräsentierte Gruppe der Frauen unter den Unternehmern.

Österreich liegt beim Grundsatz „2. Chance" weiterhin im EU-Mittelfeld, konnte sich aber im Zeitverlauf verbessern; seit dem Jahr 2009 ist ein guter Fortschritt erzielt worden, dank einer Senkung der Insolvenzkosten von 18 % auf 10 % des Vermögens des Schuldners. Überdurchschnittlich schnell werden in Österreich Insolvenzverfahren abgewickelt (innerhalb eines Jahres vs. rund zwei Jahren im EU-Durchschnitt). Angst vor Misserfolg und gesellschaftliches Stigma für gescheiterte Unternehmer/-innen sind aber weiterhin vorherrschend in Österreich. Das Insolvenszrechtsänderungsgesetz 2017 brachte wesentliche Neuerungen im Privatinsolvenzrecht und sieht eine Verkürzung des Abschöpfungsverfahrens (von sieben Jahren) auf fünf Jahre vor. Zudem soll flankierend die Restschuldbefreiung unabhängig vom Erreichen einer bestimmten Mindestquote erteilt werden, also selbst wenn der Schuldner während der Dauer des Abschöpfungsverfahrens keine Zahlungen an die Gläubiger („Nullquote") leisten konnte.

Nur eine durchschnittliche Position erreicht Österreich beim Grundsatz „Öffentliche Verwaltung", konnte seine Performance seit 2008 aber leicht verbessern, auch aufgrund des Indikators zur Kompetenz und Effektivität des Behördenpersonals, bei dem Österreich sehr gut abschneidet. Die Zeit für eine GmbH-Gründung liegt weiterhin über dem SBA-Ziel von drei Tagen, hat sich in den vergangenen Jahren aber von zehn auf acht Tage verringert. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Mehrheit der Unternehmen in Österreich als Einzelunternehmen tätig ist, die innerhalb von 15 Minuten gegründet werden können. Nur 8,7 Prozent der österreichischen Unternehmen wurden 2016 als GmbH gegründet. Die durchschnittlichen Gründungskosten liegen in Österreich bei 244 Euro, während sie im EU-Durchschnitt bei 311 Euro liegen. Positiv wird die vollelektronische Unternehmensgründung für Ein-Personen-GmbHs über das USP, die Novelle zum E-Government-Gesetz, die Erweiterung der 2. Genehmigungsfreistellungsverordnung sowie die Eingrenzung des Beauftragtendschungels gesehen.

Beim Grundsatz „Zugang zu staatlichen Beihilfen und zum öffentlichen Beschaffungswesen" schneidet Österreich wie schon in den Jahren davor, durchschnittlich ab. Seit 2008 hat es sich hier im Vergleich zu den anderen MS aber signifikant verbessert. Der KMU-Anteil am Gesamtwert öffentlicher Ausschreibungen liegt bei rund 30 Prozent, was in etwa dem EU-Durchschnitt entspricht. Behördenzahlungen erfolgen in Österreich durchschnittlich innerhalb von fünf Tagen - ein Wert, der sich im Zeitverlauf deutlich reduziert hat und unter dem EU-Wert von rund neun Tagen liegt. Vereinfachungen für Unternehmen werden durch das Bundesgesetz über die Vergabe von Aufträgen 2018 (Vergaberechtsreformgesetz), BGBl. I Nr. 65/2018, erreicht.

Für den Grundsatz „Finanzierung" liegt das Gesamtergebnis Österreichs im EU-Durchschnitt. Während der Zugang zu Bankkrediten tendenziell besser als im EU-Mittel einzustufen ist, schneidet Österreich insbesondere beim Zugang zu Beteiligungs- und Risikokapital unter dem EU-Durchschnitt ab; die Finanzierung durch Business Angels wird aber überdurchschnittlich gut bewertet.

Österreich ist derzeit eines der Länder mit den niedrigsten Kreditzinsen für kleine Unternehmenskredite und der Zahlungseingang beansprucht mit rund 25 Tagen deutlich weniger Zeit als im EU-Durchschnitt mit rund 35 Tagen. Um die Rahmenbedingungen für private Investor/-innen zu verbessern und dadurch privates (Risiko)-kapital verstärkt zu mobilisieren, wurden zuletzt unterschiedliche Maßnahmen auf den Weg gebracht: So wurde das Crowdfunding deutlich erleichtert - vor allem durch das Alternativfinanzierungsgesetz. Der Fortschritt in diesem Bereich kann als substanziell bezeichnet werden, auch dank des Umstands, dass dieser Grundsatz seit Jahren im Fokus war. Besonders erwähnt wird das Mittelstandsfinanzierungsgesetz 2017, das zur Förderung und Erleichterung der Eigenkapitalfinanzierung beschlossen wurde. Ein Inkrafttreten dieses Gesetzes bedingt allerdings die beihilfenrechtliche Genehmigung durch die Europäische Kommission im Rahmen des Notifizierungsverfahrens, das noch nicht abgeschlossen ist.

Die Positionierung Österreichs bei den Grundsätzen „Binnenmarkt" sowie „Internationalisierung" fällt, wie bereits in den Vorjahren, überdurchschnittlich aus, was vor allem auf die gute Integration der heimischen KMU in den europäischen Binnenmarkt und internationale Märkte zurückzuführen ist. Beim Grundsatz „Binnenmarkt" kann sich Österreich sogar als drittbestes Land platzieren: Österreich ist das Land mit dem höchsten Anteil an KMU mit EU-Importen (57 Prozent gegenüber 25 Prozent im EU-Durchschnitt) und auch der Anteil an KMU mit EU-Exporten (26 Prozent) ist überdurchschnittlich hoch (EU: 17 Prozent). Neu gegründete österreichische Unternehmen haben zudem einen einfachen Zugang zum Binnenmarkt, ohne von etablierten Unternehmen behindert zu werden.

Österreich zählt beim Grundsatz „Internationalisierung" traditionell zu den am besten platzierten Ländern, mit dem dritthöchsten Anteil an KMU, die Waren an Länder außerhalb der EU exportieren. Ein Anteil von rund 15 Prozent der KMU exportiert in Nicht-EU-Länder, während der EU-Durchschnitt bei 10 Prozent liegt. Auch der Anteil an KMU, die aus nicht EU-Ländern importieren, liegt mit 15 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 11 Prozent. Der Anteil an KMU, die online an Nicht-EU-Länder exportieren, stieg von 5,2 Prozent im Jahr 2015 auf 7,2 Prozent im Jahr 2017.

An erfolgreichen Maßnahmen in diesem Bereich sind u.a. erwähnt: aws tec4market, die Internationalisierungsoffensive und die Pilotinitiative TECXPORT (TEChnologie eXPORT nach China). Mit TECXPORT wird der Technologietransfer unterstützt, um Technologien, deren Entwicklung in Österreich gefördert wurde, in internationale Märkte zu exportieren, wobei es in enger Abstimmung mit den Programmen kit4market und tec4market abgewickelt wird. Das erste Pilotland ist China, d.h. neu entwickelte, innovative Technologien aus Österreich sollen verstärkt in China präsentiert werden.

Die Performance Österreichs beim Grundsatz „Weiterqualifizierung und Innovation" liegt über dem EU-Durchschnitt. Das gute Abschneiden Österreichs ist dabei insbesondere auf den hohen Anteil innovativer KMU – sowohl was Produkt- und Prozessinnovationen, Marketing- und Organisationsinnovation sowie Innovationskooperationen betrifft – zurückzuführen. Österreich verfügt zudem über einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Unternehmen, die die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter/-innen fördern.

Im Zeitverlauf zeichnet sich allerdings ein abnehmender Vorsprung Österreichs bei diesem Grundsatz ab. Weiterhin unter dem EU-Durchschnitt liegt Österreich hinsichtlich der Nutzung digitaler Vertriebskanäle.

Eine Vielzahl von Maßnahmen wurde in diesem Bereich umgesetzt, u.a. die folgenden: das Impact Innovation-Programm, die neuerliche Anhebung der Forschungsprämie von zwölf auf 14 Prozent, das IP.Coaching und das KMU DIGITAL Förderprogramm.

Das Förderprogramm KMU Digital, das auch die EU-Kommission als wichtige Maßnahme sieht, die anderen Ländern als Beispiel zur Unterstützung von KMU dienen kann, wurde speziell für österreichische KMU konzipiert, damit diese die Chancen der Digitalisierung nutzen und verstärkt E-Commerce Aktivitäten setzen. Es umfasst ein breites Beratungs-, Schulungs- und Veranstaltungsangebot, Bewusstseinsbildungsaktivitäten sowie ein eigenes Trainings- und Zertifizierungsangebot. Bis Ende des Jahres 2018 stehen insgesamt im Rahmen dieses Programmes rund € 6,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Beim Grundsatz „Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie" führt Österreich das EU-Ranking an. Die gute Positionierung ist insbesondere auf den hohen Anteil an KMU, die umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen anbieten, zurückzuführen. Dieser Wert liegt in Österreich bei 43 %, während EU-weit 25 % der KMU umweltfreundliche Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Gestiegen ist auch der Anteil an KMU, welche öffentliche Förderungen für die Umsetzung von Ressourcen-Effizienzmaßnahmen (47 % vs. 38 %) oder für die Herstellung grüner Produkte (40 Prozent vs. 25 Prozent) erhalten haben. Besonders erwähnt wird die Initiative „RESET2020" und auch die Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen.

Die SBA-Datenblätter werden von der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU als Teil der KMU-Leistungsüberprüfung ("SME Performance Review") erstellt. Sie stellen das Schlüsselinstrument für die wirtschaftliche Analyse von KMU-Themen dar. Sie bieten eine Zusammenschau der aktuell verfügbaren Informationen aus Statistik und Politik für die Mitgliedstaaten der EU.

Die jährlich erstellten Datenblätter bereiten die verfügbaren Informationen auf, um die Beurteilung der KMU-Politik und die Überwachung der Umsetzung des "Small Business Act" (SBA) zu unterstützen. Damit dokumentieren sie den erreichten Stand und die bisher erzielten Fortschritte.

Sie stellen keine Bewertung der Politiken der Mitgliedstaaten dar, sondern sollen als eine zusätzliche Informationsquelle zur Verbesserung der Gestaltung der KMU-Politik betrachtet werden. Sie greifen nur diejenigen politischen Maßnahmen auf, die von nationalen Experten aus dem Bereich der KMU-Politik als relevant erachtet werden. Ein umfassendes Bild aller Regierungsmaßnahmen im Betrachtungszeitraum soll mit den "SBA-Datenblättern" nicht gezeichnet werden.

Detaillierte Informationen können Sie

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Weiterführende Informationen zum Thema "Small Business Act" finden Sie hier.

Kontakt

KMU-Politik: post.i6@bmdw.gv.at

Letzte Änderung am: 05.12.2018 15:45