Wirtschaftsstandort, Innovation & Internationalisierung

Studie „Gründungsneigung und Entrepreneurship“

Wie wir alle wissen, sind die Entrepreneure unseres Landes Pioniere der Kreativität sowie Meister der Ideenfindung und Problemlösung. Sie sorgen mit ihrer unternehmerischen Aktivität dafür, dass gesellschaftliche Herausforderungen bewältigt werden und Österreich so zu den wohlhabendsten Ländern der EU gehört. Vor diesem Hintergrund muss es unser aller Ziel sein, den Unternehmergeist in der Bevölkerung zu wecken und zu fördern. Eine positive Einstellung zum Unternehmertum sorgt dafür, dass sich junge Menschen zu besonders aktiven, kreativen und unternehmerischen Bürgern entwickeln.

Diese Überlegungen haben zur Beauftragung der FH JOANNEUM geführt, eine Studie zum Thema „Gründungsneigung und Entrepreneurship"  zu erstellen, die sich mit den fördernden und hemmenden Faktoren für die Bereitschaft junger Menschen (zwischen 18 und 34 Jahren) in Österreich beschäftigt, ein Unternehmen zu gründen. Dabei wurden die Rahmenbedingungen für die Gründungsneigung junger Menschen in Österreich im Vergleich mit Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden untersucht.

Basierend auf den Ergebnissen der Studie konnten folgende Handlungsempfehlungen abgeleitet werden:

  • Um die Gründungsneigung von jungen Menschen zu forcieren, müssen soziale Kompetenzen (wie Eigenverantwortung, Kreativität, Kommunikation), technische Fähigkeiten (MINT) sowie unternehmerisches/kaufmännisches Wissen gleichermaßen aufgebaut werden. Daher sollte das Image von Unternehmertum in der Öffentlichkeit gestärkt werden („Role Models", mediale Kommunikation, TV-Formate), ebenso wie die Aus- und Fortbildung des Lehrpersonals und Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für das Thema sowie die spielerische Förderung von Handwerk und Technik.
  • Unternehmerisches Denken und Handeln durch Spiele, Wettbewerbe und Projekte fördern: Von Kindheit an (ab dem Kindergarten) sollte die Freude am unternehmerischen Handeln und der Umgang mit dem Scheitern durch Spiele, Wettbewerbe und Projekte gefördert werden (Sammlung praktischer Erfahrung); bereits erfolgreiche Programme, wie etwa das Junior Company Programm, sollten ausgebaut und institutionalisiert werden, um alle Schultypen erreichen zu können.
  • Die duale Ausbildung stärken und die Durchlässigkeit erhöhen: Die duale Ausbildung sollte gestärkt werden; Hürden für Übertritte zwischen verschiedenen Ausbildungspfaden sind weiter zu senken. Es bedarf nicht primär zusätzlicher Maßnahmen, sondern einer Koordination existierender Maßnahmen, wobei das regionale Umfeld berücksichtigt werden sollte (z.B. „SCHOOL@MUL"). Die gemeinsame Steuerung von Maßnahmen an den Schnittstellen Bund, Länder, Schulen, Hochschulen und Unternehmen wäre zweckmäßig.
  • Strategische Bewirtschaftung und verstärkte Vernetzung im tertiären Bereich: Die Gründungsneigung wird dort erhöht, wo es zur Verknüpfung von Wirtschaft und tertiärer Bildung kommt. Die Gründungszentren an Hochschulen sollten in ganz Österreich ausgebaut und international vernetzt werden. Zudem empfiehlt sich eine verstärkte Studienplatzbewirtschaftung (Erweiterung der Angebote mit generellen Schwerpunktsetzungen).
  • Das unternehmerische Ökosystem stärken: Eine leistungsfähige Infrastruktur sowie entsprechend qualifiziertes Humankapital sind wesentliche Voraussetzungen für ein leistungsfähiges Ökosystem, daher sollten ein schnelles Internet und entsprechende Qualifizierung von Fachkräften durch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen noch verstärkt werden.
  • Gender-Gap schließen: Die Gründungsneigung junger Frauen liegt unter jener junger Männer, wobei mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen schwerer wiegt, weil Kinderbetreuung primär von Frauen geleistet wird. Wesentlich wären daher leistbare und qualitativ hochwertige Kinderbetreuungseinrichtungen, die zeitliche Flexibilität aufweisen, um junge Gründerinnen und Gründer bestmöglich zu unterstützen.
  • Transparenz in der Förderungslandschaft: Das österreichische Fördersystem bietet ein umfangreiches Angebot, es ist aber schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen. Zusätzlich sollte der private Risikokapitalmarkt angekurbelt werden.
  • Weitere Verwaltungsvereinfachungen bei Gründungen: Vorgeschlagen wird die Vereinfachung der Verfahren zur Unternehmensgründung, zum Beispiel durch Schaffung der Rechtsform der „Kleinen AG" und durch die Abschaffung des Notariatsakts für Unternehmensgründungen (nicht nur bei Ein-Personen-Gesellschaften).

Die vorgelegte Studie zeigt auf, dass Österreich im internationalen Vergleich gut positioniert ist, Entwicklungspotenzial aber durchaus gegeben ist. Maßnahmen zur Förderung alternativer Finanzierungsformen, die Fortsetzung von Deregulierung und Digitalisierung sowie Maßnahmen im Bildungsbereich, um unternehmerische Einstellungen und Fertigkeiten von Kindesbeinen an zu wecken, werden Österreich dabei helfen, den Kurs verstärkt in Richtung Unternehmernation einzuschlagen.

Kontakt

Abteilung II/4 KMU: post.II4_19@bmdw.gv.at

Letzte Änderung am: 05.03.2019 09:30