Wirtschaftsstandort, Innovation & Internationalisierung

Studie Traditionelles Handwerk

Traditionelles Handwerk ist Wirtschaftsfaktor und Kulturerbe

UNESCO-Studie zur Bedeutung des traditionellen Handwerks in Österreich - "Traditionelles Handwerk als immaterielles Kulturerbe und Wirtschaftsfaktor in Österreich"

Traditionelles Handwerk sichert regionale Arbeitsplätze, ist Garant für mehr Lebensqualität in den ländlichen Regionen und Motor von regionalen  Wertschöpfungsketten. Es stützt die Nahversorgung und stärkt die Attraktivität der Regionen als Tourismusstandort. Dadurch leistet traditionelles Handwerk einen wichtigen Beitrag zu ökonomischer, ökologischer, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit. Darüber hinaus trägt es wesentlich zur internationalen Wahrnehmung österreichischer Kultur bei. Nach der UNESCO-Studie zum Traditionellen Handwerk in Österreich wird der Begriff des "traditionellen Handwerks" erstmals durch konkrete Parameter definiert und veranschaulicht."

Über 150.000 traditionelle Handwerksbetriebe in Österreich

Von den rund 330.000 Unternehmen österreichweit sind mit rund 151.000 fast die Hälfte dem traditionellen Handwerk zuzurechnen. Jedes dritte dieser Unternehmen ist ein Arbeitgeberunternehmen. Diese rund 50.000 Unternehmen beschäftigen insgesamt mehr als 537.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bilden jeden zweiten Lehrling in Österreich aus.

"Handwerk" ist ein vielschichtiger Begriff, der über die enge rechtliche Definition in der Gewerbeordnung hinausgeht. Die UNESCO bezeichnet Handwerk als "traditionell", wenn gelebtes Erfahrungswissen über Generationen verfeinert, abgewandelt, erweitert und zukunftsfähig weitergegeben wird, wobei die Dynamik und Anwendung des Wissens im Zentrum steht. Die ständige, lebendige Weiterentwicklung ist dabei  als wesentliche Grundlage für den Fortbestand des Handwerks zu verstehen. Fehlt diese systematische Wissenstradierung in einem Handwerksbereich, so besteht mittelfristig die Gefahr, dass der gesamte Handwerksberuf und mit ihm das praktische Erfahrungswissen und die hochentwickelte Meisterschaft im Laufe der Zeit verloren geht.

In der von BMDW, BKA und WKÖ gemeinsam beauftragten Studie werden die handwerklichen Berufe seit 1950 beleuchtet. Die Berufsbilder haben sich laufend verändert und sich den Gegebenheiten ihrer Zeit angepasst. Traditionelle Handwerksbetriebe sind aufgrund ihrer Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der Lage, auf die sich ändernde Nachfrage zu reagieren und Nischen für sich zu nützen. So schaffte es das Sattlergewerbe trotz Wegfallens des Wirtschaftsziels aufgrund der Motorisierung, sich neu auszurichten. Durch solide handwerkliche Ausbildung, geschickte Neupositionierung und kluge Vermarktung, wurde erfolgreich ein Kleinsthandwerk mit elitärer Marktausrichtung im Bereich der Sportsattelproduktion entwickelt.

Wir erleben mit der Digitalisierung einen enormen Wandel, der alle Lebensbereiche und Wirtschaftssektoren erfasst. Auch traditionelle Handwerksbetriebe können davon profitieren, wenn es ihnen gelingt neue technologische Chancen zu nutzen und zugleich bewährte Verfahren zu erhalten. Die ständige, Weiterentwicklung ist eine wesentliche Grundlage für den Fortbestand des Handwerks und die Politik muss hier entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Daher modernisiert das BMDW laufend die Lehrberufe, unterstützt Unternehmen bei der digitalen Transformation und ermöglicht bei der Bildung neue innovative Lehr- und Lernmethoden.

Bewusstseinsbildung für „Traditionelles Handwerk"

Über 160 Staaten weltweit zählen Traditionelles Handwerk zum kulturellen Erbe der Menschheit und suchen nach Strategien und Methoden, um das damit verbundene Wissen und Können zu erhalten und weiterhin zu nutzen. Mit der Ratifizierung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes hat sich Österreich dazu verpflichtet, Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung für die Erhaltung, Vermittlung und Förderung des immateriellen Kulturerbes in Österreich zu setzen - traditionelles Handwerk eingeschlossen. Das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich, das von der Österreichischen UNESCO-Kommission geführt und regelmäßig erweitert wird, macht traditionelle Handwerkstechniken sichtbar.

 

Kontakt

Abteilung II/4 KMU: post.II4_19@bmdw.gv.at

Letzte Änderung am: 15.02.2019 09:50