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Unternehmensübergaben und -nachfolgen in Österreich

Unternehmensübergaben sind auf 6.900 pro Jahr gestiegen, Tendenz weiter steigend - Demographischer Wandel erhöht Handlungsbedarf

Unternehmensübergaben haben in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Gemäß der vom Wirtschaftsministerium und der WKÖ beauftragten Studie "Unternehmensübergaben und –nachfolgen in Österreich. Status quo 2014: Aktuelle Situation und zukünftige Entwicklungen" der KMU-Forschung Austria ist die Zahl der Übergaben seit 2003 um 17 Prozent auf zuletzt 6.900 pro Jahr gestiegen. Auch für die nächsten Jahre sei unter anderem aufgrund des demographischen Wandels mit einem Anstieg zu rechnen. Erfolgreiche Übergaben sichern Wachstum, Arbeitsplätze und Wertschöpfung und gewinnen an Bedeutung für Österreichs Wirtschaft.

Demnach stehen in den kommenden zehn Jahren (2014 bis 2023) 45.700 kleine und mittlere Arbeitgeberbetriebe vor der Herausforderung, eine geeignete Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, der ihr Unternehmen weiterführt. Erfolgreiche Übergaben würden in diesem Zeitraum über 450.000 Arbeitsplätze sichern, das sind 30 Prozent aller in KMU Beschäftigten. Diese Zahlen verdeutlichen, wie wichtig der Weiterbestand der Betriebe ist. Das Wirtschaftsministerium unterstützt Übernehmer auf mehreren Ebenen, sei es mit Finanzierungsangeboten, gezielten Beratungen oder der Stärkung des Unternehmergeistes im Land. Aufgrund des demographischen Wandels gibt es jedenfalls einen erhöhten Handlungsbedarf. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass immer mehr Frauen zur Verfügung stehen. Erstmals haben gleich viele Frauen wie Männer Unternehmen übernommen- gegenüber nur 31 Prozent vor 15 Jahren.

Familienexterne Übergaben steigen langfristig an

Der altersbedingte Rückzug aus dem Erwerbsleben ist nach wie vor der häufigste Grund für eine Unternehmensübergabe. In 66 Prozent der Fälle wird das Unternehmen mit Erreichen des pensionsfähigen Alters weitergegeben. Dabei halten sich familieninterne und -externe Übergaben inzwischen die Waage. Für die Hälfte aller KMU muss demnach eine passende Nachfolge außerhalb der Familie gefunden werden. Um dies mittel- und langfristig zu erleichtern, muss vor allem der Unternehmergeist gestärkt werden. Daher braucht es Initiativen, die schon bei den Jungen ansetzen und unternehmerisches Denken gezielt fördern: So soll etwa die Ausbildung zu unternehmerischen Initiativen im Lehrangebot von Berufsbildenden Schulen und im universitären Bereich verstärkt berücksichtigt werden. Mit dem von BMDW und WKÖ geförderten „Entrepreneurial Skills Pass" gibt es ab diesem Schuljahr erstmals ein internationales Gütesiegel, das praktische und theoretische unternehmerische Kompetenzen zertifiziert und selbständiges Arbeiten fördert.

Darüber hinaus soll die bewährte duale Ausbildung weiter attraktiviert werden. Denn der Lehrabschluss ist nach wie vor die wichtigste Stufe am Weg in die Selbstständigkeit. Mit einem Anteil von 36 Prozent haben die meisten Nachfolger als höchste abgeschlossene Ausbildung eine Lehrabschlussprüfung. Als weiteres Angebot steht die Nachfolgebörse des WKÖ-Gründerservice kostenlos zur Verfügung.

Übergaben laufen geplanter ab, externe Beratung wird ausgeweitet

Bei potenziellen Übergebern besteht laut Studie das Risiko rückläufiger Innovations- und Investitionstätigkeit im Betrieb. Fast die Hälfte habe in den letzten drei Jahren vor der Übergabe keine Innovationen oder Investitionen gesetzt, was sich auf den erzielbaren Kaufpreis auswirken kann. Umso wichtiger ist, dass der Anteil jener, die ihren Übergabeprozess gezielt planen, seit 1996 von 28 auf 64 Prozent gestiegen ist und dieser Prozess verstärkt durch externe Beratung begleitet wird. Eine neue Hilfestellung für die Ermittlung und Steigerung des Marktwertes bietet der von Wirtschaftsministerium und WKO unterstützte Unternehmenswertrechner.

Positiv ist, dass sich die für den Fortbestand eines Unternehmens wesentliche betriebswirtschaftliche Übergabetauglichkeit von Unternehmen verbessert. Wurden nach früheren Studien noch rund neun Prozent als nicht übergabetauglich eingestuft, ist dieser Wert aktuell auf nur sechs Prozent gesunken.

Übernehmerfonds für Tourismuswirtschaft verlängert

Vor besonderen Herausforderungen steht die Tourismus- und Freizeitwirtschaft, innerhalb derer die Übergabeintensität am höchsten sein wird. Daher hat das Wirtschaftsministerium den als Pilotprojekt gestarteten Übernehmerfonds verlängert. Die Initiative richtet sich an Unternehmer, die einen elterlichen Betrieb übernehmen oder einen Betrieb über eine Übernahmebörse erwerben und in qualitätsverbessernde Maßnahmen investieren. Den Übernehmern wird ein zinsgünstiger Kredit mit einem Volumen zwischen 350.000 Euro und einer Million Euro (bis zu 70 Prozent der Investitionskosten) eingeräumt. Zusätzlich übernehmen einige Bundesländer (Vorarlberg, Tirol, Steiermark, NÖ und OÖ) auch den Zinsendienst während der ersten zehn Jahre. In jedem Fall stellt der Bund eine Garantie, um die Finanzierungskosten weiter zu senken. Die Abwicklung übernimmt die Österreichische Hotel- und Tourismusbank als One-Stop-Shop.

Die Studie "Unternehmensübergaben und -nachfolgen in Österreich" steht unter weiterführende Informationen zum Download bereit.

Kontakt

Abteilung II/4 KMU: post.II4_19@bmdw.gv.at

Letzte Änderung am: 11.03.2019 13:54