Wirtschaftsstandort, Innovation & Internationalisierung

Unternehmerinnenstudie 2017

​Studie zu Unternehmerinnen und Digitalisierung sowie zur Entwicklung in männerdominierten Berufen: Österreichs Unternehmerinnen auf dem Vormarsch

Unternehmerinnen sind ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Wirtschaft. In technologieorientierte und innovative Branchen dringen sie aufgrund klassischer Rollenbilder jedoch nur langsam vor. Um Unternehmerinnen zu unterstützen, sollten diese Rollenbilder aufgebrochen, die bereits bestehenden Kinderbetreuungsangebote ausgeweitet, sowie geeignete Netzwerke für Unternehmerinnen geschaffen werden. 

Mehr Unternehmerinnen, aber in technologieorientierten und innovativen Branchen besteht Aufholbedarf

Österreichs Unternehmer/-innen sind der Motor für Wirtschaftswachstum, Innovation und Arbeitsplätze. Gerade in unter Selbstständigen unterrepräsentierten Gruppen besteht aber noch ungenütztes Potential. Deshalb sollten Frauen gefördert werden, wie die vorliegende Studie, die das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich in Auftrag gegeben hat, zeigt. Denn obwohl rund ein Drittel aller Unternehmer weiblich sind, dringen Frauen nur sehr langsam in technologieorientierte und innovative Branchen vor, in denen aber das höchste Potential für Wertschöpfung besteht. Mit der Unternehmerinnenstudie liegt nun aktuelles Datenmaterial vor, welches weibliches Unternehmertum erfasst und aufzeigt, welche Schritte unternommen werden können, um Unternehmerinnen bei den Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben, zu unterstützen.

Unternehmerinnen dringen langsam in männerdominierte Bereiche vor

Obwohl der Anteil an weiblichen Unternehmern seit der letzten Studie 2009 kontinuierlich gestiegen ist und derzeit knapp über einem Drittel liegt, gibt es nur langsam mehr Unternehmerinnen in männerdominierten Sektoren wie IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) (14 Prozent), Verkehr (zehn Prozent) und Bau (vier Prozent). Gerade bei den typischerweise innovativen und technologiegetriebenen Start-ups ist der Frauenanteil nur sieben Prozent.

Gerade diese Sparten sind jedoch auch für Frauen attraktiv, denn hier bestehen gute Job- und Einkommenschancen. In diesen Bereichen tätige Unternehmerinnen haben ähnliche Umsätze wie ihre männlichen Kollegen, und mehr als der Durchschnitt weiblicher Unternehmer. Außerdem sind Frauen in männerdominierten Berufen zufriedener mit dem Arbeitsplatz. Während für 38 Prozent der selbstständigen Frauen in frauendominierten Bereichen die Unzufriedenheit am vorangegangenen Arbeitsplatz und für 25 Prozent die mangelnden Aufstiegschancen ein Beweggrund zur Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit ist, trifft dies auf Unternehmerinnen in männertypischen Branchen deutlich seltener zu (22 Prozent bzw. 14 Prozent).

Die geschlechterspezifische Trennung beginnt schon bei der Wahl der Ausbildungswege, auch wenn Frauen im Vergleich zur letzten Studie 2009 etwas häufiger technische und klassisch männliche Fächer wählten. Bei den Lehren in der Informationstechnologie, der Metalltechnik und der Mechatronik lag der Frauenanteil 2016 beispielsweise bei jeweils rund acht Prozent, während Lehren wie etwa zur Fußpfleger/-in oder Florist/-in (beide 98 Prozent Frauenanteil) sich gleichbleibender Beliebtheit erfreuen.

Bei der tertiären Ausbildung in MINT-Fächern* ist die Verteilung auf den ersten Blick ausgeglichener (Frauenanteil Universität 34 Prozent, Fachhochschulen 23 Prozent). Betrachtet man aber den MINT-Kernbereich mit den von der Wirtschaft hauptsächlich nachgefragten ingenieurwissenschaftlichen Fächern (18 Prozent) und Informatik (17 Prozent), sind Frauen stark unterrepräsentiert.
(* MINT-Fächer ist eine zusammenfassende Bezeichnung von Unterrichts- und Studienfächern beziehungsweise Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.)

Um dieser Geschlechtersegregation entgegenzuwirken, ist es wichtig, ab dem Kindergartenalter unternehmerisches Denken, realistische Vorbilder aus männerdominierten Bereichen und praktische Einblicke in technische Berufe zu vermitteln, damit bei der Entscheidung über den späteren Ausbildungsweg individuelles Talent und nicht traditionelle Rollenbilder entscheidend sind.

Maßnahmen des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, die solche Rollenvorbilder vermitteln und Unternehmertum fördern, sind etwa „Unternehmerin macht Schule" (Unternehmerinnen zeigen das Berufsbild „Unternehmer/-in" in Schulklassen auf), „u:start" (Ausbildungsprogramm zu Selbstständigkeit und Gründung für Uni-Absolvent/-innen und Studierende) und "Zukunft.Frauen", (Führungskräfteprogramm zur Steigerung des Anteils von weiblichen Führungskräften).

Um den Anteil an weiblichen Lehrlingen zu erhöhen, werden Projekte gefördert, die Mädchen für technologieorientierte Berufe begeistern sollen, wie beispielsweise „Open MINT" (Programm zur Unterstützung junger Frauen auf ihrem Weg zur technologieorientierten Lehrstelle und bei der Lehre), oder das „Mentoring Projekt zur Erweiterung von Berufsperspektiven" (Lehrlinge geben Schülerinnen praktische Einblicke in ihren Lehralltag).

Digitalisierung als Chance

Selbst in innovationsfernen Branchen ist die Digitalisierung unumgänglich, wenn man in der heutigen Welt als Unternehmer/-in bestehen möchte. Die Europäische Kommission etwa geht davon aus, dass der intelligente Einsatz von IKT durch Unternehmen den zentralen Erfolgsfaktor schlechthin für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschafts- bzw. Unternehmenswachstum darstellt. Die Zahlen sprechen ebenfalls dafür, mehr als 92 Prozent aller Österreicher besitzen ein Smartphone, der Umsatz bei E-Commerce ist in Österreich in den letzten drei Jahren um 30 Prozent gestiegen. Unternehmerinnen nützen diese Chance laut der Studie genauso stark wie Männer, allerdings ist der Digitalisierungsgrad bei kleineren von Frauen geführten Unternehmen um einiges geringer als bei größeren.

Hier setzt die Maßnahme „KMU Digital" an, die die Digitalisierung von KMU fördert, zudem wurde ein Digitalisierungsfahrplan für KMU erstellt, um KMU bei der Digitalisierung zu unterstützen.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie größte Herausforderung

Der größte Unterschied zu den Männern sind die Gründe für den Schritt in die Selbstständigkeit: Männer gründen eher wegen besserer Verdienstmöglichkeiten, für Frauen ist die leichtere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei einer selbstständigen Tätigkeit ausschlaggebend (für 56 Prozent einer der Hauptgründe).

Trotz der höheren Flexibilität einer selbstständigen Tätigkeit bleibt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine der größten Herausforderungen für Unternehmerinnen, weil sie zum größten Teil (73 Prozent) noch immer alleinverantwortlich für die Führung des Haushaltes und die Kinderbetreuung sind. Aufgrund des Ausbaus von Kinderbetreuungseinrichtungen und ganztägiger Schulformen ist der Anteil an Unternehmerinnen, die zufrieden mit der Kinderbetreuung waren, seit der letzten Studie 2009 (58 Prozent) zwar stark gestiegen (2017: 82 Prozent). Solange aber die klassische Rollenverteilung besteht, ist es notwendig, die Angebote weiter auszubauen, damit Unternehmerinnen ihr Potential und ihre Ideen in die Wirtschaft einbringen können.

Networking und Mentoring verbessern

Gerade in männerdominierten Bereichen im Gewerbe, den MINT-Branchen und der Start-up-Szene herrschen Branchennetzwerke - zumeist als „Männerbünde" - vor, in denen sich Frauen nicht akzeptiert fühlen. Ausschließlich Frauen offenstehende Netzwerke könnten hier Abhilfe schaffen. Dort und mithilfe von Mentor/-innen könnten Strategien erarbeitet werden, wie Frauen sich in einem männerdominierten Umfeld behaupten können. Da jede dritte Unternehmerin sich gerne bei Kolleg/-innen Ratschläge holt, ist es wichtig, Frauen den Zugang zu Branchennetzwerken zu ermöglichen. Daher sollten Veranstaltungen solcher Netzwerke zu familienfreundlicheren Zeitpunkten abgehalten oder währenddessen Betreuungsangebote bereitgestellt werden.

Positiver Trend zeichnet sich ab

Frauen stehen vor besonderen Herausforderungen, wenn sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagen wollen. Doch die Maßnahmen zur Förderung von Frauen zeigen Wirkung, wie an der gestiegenen Anzahl von Unternehmerinnen, der höheren Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und an den steigenden Anteilen von Frauen in männerdominierten Berufen zu sehen ist. Das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort wird sich daher weiter dafür einsetzen, weibliches Unternehmertum zu fördern.

Kontakt

Abteilung II/4 KMU: post.II4_19@bmdw.gv.at

Letzte Änderung am: 18.02.2019 09:15